Als Mutismus (lat. mutus = stumm) wird die Sprechhemmung oder das Schweigen nach vollzogener Sprachentwicklung bei vorliegender Sprach- und Sprechfähigkeit bezeichnet. Man unterscheidet zwischen dem (s)elektiven Mutimsus und dem totalen Mutismus.
Der elektive Mutismus (ICD-10: F94.0) oder selektive Mutismus (DSM-IV: 313.23) äußert sich dadurch, dass das betroffene Kind nur manchmal kommuniziert, d.h. es kann sprechen, tut es aber nur in einem eingeschränkten Personenkreis. Ansonsten spricht es nicht. Durch die Bezeichnungen "selektiv" oder "elektiv" könnte man annehmen, dass das schweigende Kind darüber entscheidet, mit wem es spricht – dies ist in der Regel aber nicht der Fall.
Meist ist es den Kindern möglich, im engsten familiären Kreis (Eltern, Geschwister) zu kommunizieren, während oftmals schon die verbalsprachliche Kontaktaufnahme mit entfernteren Verwandten (z.B. Großeltern) nicht möglich ist. Die meisten selektiv mutistischen Kinder wollen sprechen, aber das empfundene Angstgefühl ist größer als der Wunsch zu sprechen.
Die Indikatoren für elektiven Mutismus:
In der Schule kann man das mutistische Kind auf vielfältige Weise darin stärken, auf alternative Weise mit anderen zu kommunizieren. Beispielsweise kann man versuchen, ihm die Ängste zu nehmen, indem man es nicht zwingt zu sprechen und indem man ihm Tätigkeiten anbietet, die nicht primär mit lautem Sprechen zu tun haben (z.B. Schreiben, Lesen, Malen, Spielen). Außerdem kann man über den Einsatz von Symbolen, Karten oder Handzeichen dem Kind die Möglichkeit eröffnen, sich auf alternative Weise am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen.
Es sollte jedoch immer auch ein Psychologe / eine Psychologin oder ein/e Sprachtherapeut/in zu Rate gezogen werden, denn oft geht der selektive Mutismus mit einer anderen (Sprach)-störung einher.
Ein mutistisches Kind stellt eine große Herausforderung dar, aber mit professioneller Unterstützung, sorgfältiger Planung und genügend Zeit kann diese Herausforderung gemeistert werden.
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