Vor 15 Jahren, im Februar 2010, begann Ute Wiegand, das Regionale Beratungs- und Unterstützungszentrum Ost (ReBUZ Ost) aufzubauen. Am Donnerstag, den 30.01.2025 wurde sie von Vertretern der Senatorin für Kinder und Bildung, ihrem ReBuz Ost Team, der ReBuZ Leitungsrunde und langjährigen Weggefährtinnen in den Ruhestand verabschiedet.
Sie würdigten Ute Wiegand als zentrale Figur für die Umsetzung der Inklusiven Pädagogik in Bremen. Nach der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention von 2008 übernahm Bremen mit der Schulgesetznovelle von 2009 eine Vorreiterrolle in Deutschland: Bremische Schulen erhielten in § 3 "den Auftrag, sich zu inklusiven Schulen zu entwickeln". Das bedeutet bis heute, sie sollen "die Inklusion aller Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, ihrer Staatsbürgerschaft, Religion oder einer Beeinträchtigung in das gesellschaftliche Leben und die schulische Gemeinschaft befördern und Ausgrenzungen Einzelner vermeiden."
Entsprechend des Auftrags, die Bremer Schulen bei dieser umfassenden Aufgabe zu beraten und zu unterstützen, wuchsen die Aufgaben und Anzahl der Mitarbeiter. Das ReBUZ Ost, das für alle Schülerinnen und Schüler im Bremer Osten zuständig ist, als größte der vier Beratungseinrichtungen von 11 Mitarbeitenden auf aktuell 46. Zuletzt wurden zum Schuljahr 2024/2025 Bildungsabteilungen eingerichtet, die u.a. nach Auflösung des entsprechenden Förderzentrums (Schule an der Fritz-Gansberg-Straße) den Förderbedarf im Bereich sozial-emotionale Entwicklung abdecken sollen.
Beate Bensch, die Referentin für die ReBUZ bei der Senatorin für Kinder und Bildung, lobte, wie "engagiert, professionell und sehr selbstbewusst" Wiegand ihre Aufgabe als Dienststellenleitung ausgefüllt und auch gegenüber der Bildungsbehörde vertreten habe.
Wiegands Konfliktfähigkeit hob auch Dr. Michael Gran hervor, der als Leiter des ReBUZ Süd die Laudatio für die Leitungsrunde der ReBUZ hielt. Ute Wiegand sei rasch "unsere Klassensprecherin" geworden. Sie habe sich von Beginn an dafür eingesetzt, dass die ReBUZ nicht unabhängig voneinander agieren, sondern ihre Arbeit eng miteinander koordinieren. Die Kooperation mit der Bildungsbehörde sei ebenso ihr Ding gewesen wie die Kontaktpflege mit ähnlichen Einrichtungen in Berlin und Hamburg, zuletzt auch in Belgien. Dabei habe sie sich von Kollegialität, Kompetenz und ihrem festen Kompass leiten lassen, der Inklusion als selbstverständliches Menschenrecht anerkenne, nicht nur für Schülerinnen und Schüler.
Ihren Werdegang skizzierte Wiegand selbst: 1978 aus dem Schwäbischen Wald zum Studium der Geistig- und Sprachbehindertenpädagogik nach Bremen gekommen, begeisterten sie die inklusiven Konzepte des Bremer Professors Georg Feuser. Ab 1985 konnte sie die als Stützpädagogin in einem ersten integrativen Kindergarten in die Praxis umsetzen. Ein 6er im Lotto sei 1989 der Wechsel in den Bremer Schuldienst, mitten im 10 jährigen Einstellungsstopp für Lehrkräfte gewesen. Nach 13 Jahren als engagierte und innovative Sonderpädagogin leitete sie für 8 Jahre die Schule Grolland, Förderzentrum für Wahrnehmung und Entwicklung mit viel Geschick. Die neue Herausforderung zur Gründung und anschließenden Leitung des ReBUZ Ost kam mit dem ambitionierten Bremer Konzept, Förderzentren aufzulösen und sonderpädagogische Kompetenzen in Beratung und Unterstützung von Regelschulen zu versammeln. Das ReBUZ Ost Team hat eine herausragende Leiterin verabschiedet, die Herausforderungen mit viel Geschick und vertiefter Fachlichkeit , besonderem Oraganisationstalent und strukturellem Weitblick löste. Sie war gastfreundlich und verlässlich, ihre Leitungskultur bemerkenswert transparent und wertschätzend.
Mit Wolfgang Welp-Eggert übernimmt nun Wiegands Stellvertreter die kommissarische Leitung des ReBUZ Ost. Ihrem Team und allen Gästen gab Wiegand das "Reckahner Regelbüchlein für große und kleine Kinder" mit auf den Weg, mitsamt ihrer handschriftlichen Ergänzung "und Erwachsene!" Darin sei ihre Haltung zur Ethik pädagogischer Beziehungen auf den Punkt gebracht: "Jeder hat die gleiche Würde. Jeder ist wertvoll und liebenswert. Jeder sorgt gut für sich und für die anderen, für Dinge und die Umwelt. Was ich nicht möchte, das man mir tut, das füge ich auch keinem anderen zu."
Das Team des ReBUZ Ost machte in dem bunten Programm zur Verabschiedung klar, dass es diese Haltung Wiegands zu ihrem Führungsverständnis sehr zu schätzen wusste. Nach einem inklusiven Theaterstück unter Beteiligung des gesamten Publikums klang der Nachmittag am neuen Standort des ReBUZ Ost an der Universitätsallee mit wehmütiger Musik aus.
Der Autor war 2022-2024 Assistent der Leitung am ReBUZ Ost und konnte sich von der praktischen Umsetzung der ethischen Haltung selbst überzeugen.