Sinnvolle Förderkonzepte haben zum Ziel, dass Kinder die Rechtschreibung und das Lesen leichter lernen und sie ihre Fähigkeiten schrittweise verbessern.
Es kommt bei der Förderung bei LRS darauf an, dass ein direkter Bezug zur Symptomatik – also den diagnostizierten Lese- und Rechtschreib- Schwierigkeiten – zu erkennen ist. Das Lernangebot muss genau angepasst werden und bei dem erreichten Entwicklungsstand des Kindes ansetzen. Das bedeutet, dass das jeweilige Förderkonzept strategiegeleitet sein sollte.
Auch im Rahmen inklusiver Beschulung ist es sinnvoll, dass Kinder zeitweise in Kleingruppen gefördert werden, wenn es für sie beim Unterricht in der ganzen Klasse kein ausreichendes Unterstützungsangebot geben kann.
Im besonderen Fall, wenn zu befürchten ist, dass ein Kind ohne intensive Förderung nicht richtig Lesen und Schreiben lernen wird, kann auch eine Einzelförderung sinnvoll sein.
Symptomspezifische Fördermethoden lassen sich auf die Entwicklungsmodelle des Schriftspracherwerbs beziehen, wonach der Prozess des Lesen- und Schreibenlernens durch aufeinander folgende und aufeinander aufbauende Phasen gekennzeichnet ist, welche die Schülerinnen und Schüler beim Schriftspracherwerb durchlaufen: die logografische, die alphabetische, die orthografische und die morphematische Phase.
Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Lese- und Rechtschreib- Schwierigkeiten ist im Sinne des LSR-Erlasses „Richtlinien zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen“ Aufgabe der Schulen in allen Schulstufen.
In der Grundschule gibt es für einige Kinder mit ganz besonderem Förderbedarf das Angebot, an einem Bremer-Lese-Intensivkurs teilzunehmen. 8-10 Wochen erhalten die Kinder in Sechsergruppen an einem regionalen Standort jeden Tag drei Stunden Deutschunterricht zum Aufbau einer soliden Basis im Lesen und Schreiben.
Eltern, die zusätzlich eine außerschulische Förderung bei LRS für ihr Kind suchen, sollten sich ein Bild davon machen, welche Methoden und Elemente die Förderangebote enthalten.
Gängiges methodisches Prinzip bei der Förderung lese-rechtschreibschwacher Schülerinnen und Schüler ist die „Isolierung von Schwierigkeiten“. Das Prinzip der Isolierung von Schwierigkeiten wird angewendet, wenn ein Lerngegenstand zu komplex ist. Es werden vor allem Einzelaspekte isoliert, damit Schülerinnen und Schüler sich mit einem überschaubaren Lernfeld auseinandersetzen können. Z.B. sollten an einem Wort nicht mehrere Schwierigkeiten gleichzeitig thematisiert werden, wie die Groß- und Kleinschreibung, die Ableitung und das Dehnungs-h.
Es gilt kleinschrittig vorzugehen, wie z.B. bei der Ableitung von „äu":
Was ist das Problem?
Man kann nicht hören ob man „eu" oder „äu" schreiben muss.
Welche Schritte muss man gehen?
2. Man muss eine Lösungsstrategie kennen.
Wie finde ich heraus, ob dieses Wort mit „eu" oder „äu" zu schreiben ist?
Gibt es in der Wortfamilie ein Wort mit „au"?
Dann schreibe ich das Wort mit „äu":
Gebäude: bauen, Bau
3. Man muss die Lösungsstrategie üben:
Die Ableitung / Zuordnung eines Wortes aus einer Wortfamilie muss zunächst am Einzelwort geübt werden.
Später übt man dann in kleinen Sätzen. Es geht darum, herauszufinden, in welchem Wort sich überhaupt solch ein Problem versteckt. Schließlich arbeitet man mit kleinen Texten. Anschließend muss das Ganze noch automatisiert werden.
In vielen Lese-und Schreiblehrgängen findet man von Anfang an durchaus schwierigere Sätze und kurze Texte ohne eine durchgängige und konsequente Berücksichtigung der lautsprachlichen Struktur der Wörter und der bereits eingeführten Laut-Buchstabenverbindungen. Im Vordergrund steht eher die Bedeutungsebene der Wörter und Texte.
Kindern, die sich das Lesen und Schreiben durch selbstständige Aktivitäten sicher erarbeiten können, kommt dieser frühe Einbezug neigungs- und interessenbezogener Texte durchaus entgegen. Der Lese- und Schreiblehrgang setzt an ihren sprachlichen Erfahrungen an und sie erweitern, durch adäquate Inhalte motiviert, schnell ihre literarischen Kompetenzen.
Lese-rechtschreibschwache Kinder hingegen haben mit diesem Ansatz häufig große Probleme. Für sie sind die gängigen Lese-und Schreiblehrgänge zumeist zu schwierig. Diese Kinder erleiden wiederholt Misserfolge und werden ängstlich oder vermeiden Lese-und Schreibarbeiten. Oder sie entwickeln Ersatzstrategien: Viele leseschwache Kinder lernen sehr schnell die kleinen Texte auswendig und halten diese Strategie für „Lesen“. Dabei stagnieren sie mit dieser Strategie des Wortbild-Einprägens auf einer Stufe, die sie unbedingt überwinden müssten. Dies führt dann bis zum Ende der Schulzeit häufig zu einem sinngeleiteten Ratelesen ohne die notwendige Lesegenauigkeit.
Kinder, die sich nur mit Mühe und Schritt für Schritt die alphabetische Strategie erarbeiten können, sollten anfangs – neben Übungsangeboten zur Entwicklung der phonologischen Bewusstheit – nur wenige Wörter, die nur aus eingeführten Laut-Buchstabenverbindungen und eher leicht strukturierten Lautfolgen bestehen, als Angebot zum silbenweisen Lesen und Schreiben erhalten. Dieses Vorgehen ist in der Förderung dem individuellen Lerntempo und Entwicklungsstand eines jeden Kindes anzupassen, um ein sicheres Fortschreiten beim Erwerb der alphabetischen Strategie zu ermöglichen.
Dem anfangs relativ hohen Gewicht phonetischer Übungen und des Einsatzes von Wörtern als „Strukturmaterial“ bei Nachrangigkeit der Bedeutungsebene sollte durch ein hohes Maß an Methodenvielfalt begegnet werden. Neben häufigem Materialwechsel und Wechsel der Unterrichtsformen im Allgemeinen können auch vermehrt Spiele als Übungsformen zum Einsatz kommen.
Anfangs bedarf es besonders des Einübens und des Verfestigens der basalen Fertigkeiten. Dabei ist es sinnvoll, dass Üben auch viele mechanische Komponenten enthält, die der Automatisierung dienen.
Alternative Methoden, die sich nicht direkt mit den Phänomenen des Lesens und Schreibens beschäftigen, können möglicherweise die Lernbereitschaft oder das Wohlbefinden des Kindes steigern – die Rechtschreibfehler werden davon aber nicht weniger und das Lesen nicht besser. Auch eine Ergotherapie allein oder eine reine Spieltherapie sind bei LRS nicht die richtigen Ansätze.
„Abwarten! Das kommt noch!“ … „Kam doch nicht!“ … „… zu spät!“
Folgenschwer wirkt sich auch die häufig geäußerte Ansicht aus, man müsse nur abwarten, denn der „Knoten“ löse sich irgendwann von allein. Die „Strategie des Abwartens“ verhindert frühzeitig einsetzende Hilfen und kann zu allgemeinen Lern- und Verhaltensauffälligkeiten führen. Bei frühzeitiger Erkennung und Intervention können Lese- und Rechtschreibprobleme zumeist gut kompensiert oder sogar überwunden werden. Je später eine Förderung ansetzt, desto geringer sind in der Regel die Effekte.